Winterfeld, Daniela // Die Quellen von Malun: Blutgöttin

Broschierte Ausgabe: 592 Seiten
Verlag: Lübbe (31. Juli 2019)
Sprache: Deutsch
Empfohlenes Lesealter: ab 16 Jahren
ISBN-13 : 978-3404209484

Klappentext:

-Eine Welt am Abgrund, eine blutdürstige Göttin und eine tödliche Verschwörung-
Das Wasser auf Ruann versiegt. Immer mühsamer muss es durch Tunnelsysteme gefördert werden, und die Dürre verurteilt die Völker zu Hunger und Durst. Im Großreich Sapion ist das Wasser schon vor langer Zeit verschwunden. Um sich die letzten Ressourcen zu sichern, führt Sapion erbitterte Kriege gegen seine Nachbarreiche. Die Politikertochter Feyla, der Offizier Dorgen, die Sklavin Alia und der Soldat Tailin sind alle auf verschiedene Weise von dem Krieg betroffen. Jeder versucht für sich einen Ausweg aus der hoffnungslosen Situation zu finden. Aber noch wissen die Vier nicht, dass ihre Schicksale miteinander verbunden sind und die Gründe für das Verschwinden des Wassers in einer Verschwörung von ungeahnten Ausmaßen liegen…

Darum gehts:

Die Geschichte wird aus den Perspektiven der vier Protagonisten erzählt und gelegentlich durch weitere Perspektiven ergänzt. Durch die verschiedenen Stellungen, die sie im Großreich Sapion einnehmen, lernt der Leser das Reich in all seinen Facetten kennen:

Feyla ist die Tochter des obersten Beraters von Sapion, einem skrupellosen und gewalttätigen Mann, dessen Machtgier sich auf verschiedene Weise in seinem Verhalten äußert. Um seine Stellung zu festigen, muss auch seine Familie sich den Traditionen und gesellschaftlichen Normen beugen: Seine älteste Töchternsippe wird zwangsverheiratet an nur einen Mann. Dieser muss mit jeder Tochter im Laufe des ersten Ehejahres ein Kind zeugen oder die scheinbar unfruchtbare (und damit unbrauchbare) Ehefrau nach Ende der Frist zum Sterben in die Wüste verbannen.
Während Feylas Schwestern auf die Ehe hinfiebern, fürchtet sie sich davor. Sie fürchtet sich davor, mit einem so schlimmen Mann wie ihrem eigenen Vater verheiratet zu werden, sein Eigentum zu werden, jederzeit von ihm berührt oder gezüchtigt zu werden.

Offizier Dorgen kämpft an vorderster Front und fühlt sich zwischen seinen Kriegskameraden oft einsam. Es scheint, als haben nur er und sein Kumpane, Tailin, ein Gewissen oder gar ein Herz. Tod, Gewalt, Vergewaltigungen und Prostitution stehen an der Tagesordnung im Kriegsalltag und seine einzige Möglichkeit, dem ewigen Kreislauf zu entgehen scheint die jährliche Auslese. In einem Gladiatorenkampf muss er sich anderen Männern seines Alters stellen. Die Gewinner werden mit Ansehen belohnt, die Verlierer werden kastriert und versklavt. Seine Fähigkeiten sorgen dafür, dass er als Gewinner aus den Kämpfen hervorgeht, doch im Traum hätte er nicht gedacht, dass der oberste Berater von Sapion ausgerechnet ihn als Ehemann für seine älteste Töchternsippe auserwählt. Was sich zunächst anfühlt wie ein wahr gewordener Traum, entpuppt sich bald als Albtraum – als gefährliches Spiel, dessen Regeln er nicht kennt – als ein Kampf, dessen Ausmaß er sich niemals ausmalen könnte.

Tailin, sein treuer Kriegskamerad, leidet unter der Homophobie der anderen Krieger und unter dem Geheimnis über seine Neigung, das er immer schwerer wahren kann. Als sein Geliebter enttarnt und verstummelt wird, muss er desertieren, um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden. Er meldet sich freiwillig als Kundschafter des Grenzgebietes zu Pamal, einer Bergregion, die von Pamali auf ihren Pamuschkatzen bewohnt wird. Die Pamuschkrieger sind rasend schnell und unmöglich zu besiegen – eine Selbstmordmission, das ist Tailin klar. Doch bringt er ihnen wertvolle Neuigkeiten, die ihn das kleine bisschen Hoffnung auf Überleben nicht aufgeben lassen. Auf seiner Reise in die Bergregion lernt er, dass die Pamuschkrieger nicht die üblen Monster sind, als die sie in Sapion dargestellt werden. Auch wenn sie durch ihre körperliche und kämpferische Überlegenheit genau das sein könnten. Tatsächlich widerfährt ihm mehr Menschlichkeit, als ihm je von den Menschen seiner Vergangenheit zuteil wurde.

Alia ist eine Sklavin im Wasserbergwerk. Tagein, tagaus transportiert sie kostbares Wasser in Fässern aus der Erde. Dabei sind sie und die anderen Sklavinnen der Willkür der Wachen schutzlos ausgeliefert. Als die letzte Wasserader angezapft wird, wird Alia klar, dass das Bergwerk bald trockenliegen und damit genauso nutzlos sein wird wie die darin arbeitenden Sklaven. Für sie ist klar, dass sie mit ihrer Schwester fliehen muss, noch bevor der letzte Tropfen Wasser versiegt oder abgeschöpft ist. Sie sammelt Mut und Informationen für ihre Flucht und deckt dabei immer mehr Machenschaften auf, die sie an der Menschheit zweifeln lassen.

Meine Meinung:

Ein so grandioses Buch habe ich wirklich selten gelesen. Es ist düster und brutal und das Setting ist sehr rau. Das Buch ist durchzogen von Gewalt, Sex, Vergewaltigungen, Prostitution, Versklavung, Bestrafung, Verzweiflung, Tod, Hunger und Durst, Homophobie, Fremdenfeindlichkeit,… Frauen sind wertlos und werden als Eigentum der Männer betrachtet. Definitiv keine leichte Kost und deshalb erst ab einem gewissen Alter zu empfehlen.
Wenn an sich darauf einlässt, wird man aber kaum eine fiktive Welt mit besser durchdachtem Worldbuilding erleben als hier.

Ich persönlich finde das Setting und die verzweifelte Aura so spannend und rund. Wichtige Themen werden in die Story eingebunden, ohne dass sie gekünstelt wirken oder von der Geschichte ablenken. Stattdessen hat die Atmosphäre einen Sog auf den Leser und zwingt zum Weiterlesen. Man wünscht sich so sehr, dass die Unterdrücker ihre gerechte Strafe bekommen.

Religion spielt in diesem Buch eine große Rolle. Es wird deutlich, dass sie sowohl Hoffnung spendet als auch nimmt. Einige klammern sich an sie, andere benutzen sie als Rechtfertigung für den Krieg, für Gewalt, Unterjochung und Tod – wie in der Realität auch.
Nur steckt in dieser Geschichte mehr hinter den Gottheiten und den religiösen Legenden, als man zunächst denkt. Erst im Laufe des ersten Bandes entfalten sich die Fantasy-Elemente und lassen auf eine denkwürdige Fortsetzung hoffen.

Mega Story. Brutal. Einnehmend. Verstörend. Zum Nachdenken anregend. Grandios!
5+ Sterne.

Textstelle:

Nur wer das Wissen dieser Welt in sich versammelt, kann frei und unabhängig denken. Angst und Wut, Hilflosigkeit und Hass, all diese Gefühle, die unseren Krieg vorantreiben, entstehen aus Unwissenheit. … Nur die Unwissenden benötigen einen Herrscher, der sie führt.
~S. 394

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