Hiemer, Christina // Mentira – Stadt der Lügen

Taschenbuch: 380 Seiten
Verlag: Hawkify Books (11. Oktober 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN: 978-3947288694

 

Klappentext:

In einer Welt, ind er die Wahrheit alles ist, was zählt, kann eine einzige Lüge alles verändern.

Seit Melia denken kann, ist Lügen in Mentira streng verboten. Doch außerhalb der Stadtmauern liegt eine Welt, in der die Wahrheit kein Gewicht hat. Als Melia einen wichtigen Auftrag bekommt, gerät das Vertrauen in ihre Schwesternschaft immer mehr ins Wanken. Sie nimmt all ihren Mut zusammen und flieht. In Sombra, der Schattenstadt, erhofft sie sich endlich die Antworten zu finden, die sie in Mentira vergeblich gesucht hat.

Doch die fremde Stadt birgt ein dunkles Geheimnis. Niemand spricht über die Dunkelheit, die die Menschen befällt und ihnen jegliches Gewissen raubt.
Wird Melia den Schatten der Stadt entkommen, oder wird auch ihre reine Seele der dunklen Seite zum Opfer fallen?

Alle Menschen in unserer Stadt kämpften gegen den wohl härtesten Gegner, den man haben konnte: sich selbst.~S. 213

 

Meine Meinung:

In ihrem Debutroman Mentira beweist Hiemer ihr schriftstellerisches Können. Der Schreibstil ist flüssig, spannend und einladend. Er vermittelt ein gutes Bild von der Welt, in der Melia sich bewegt: Ein postapokalyptisches Setting, in dem es keinen Strom mehr gibt und jede Stadt für sich für ihr Überleben kämpft – etwas, das ich aufgrund des Klappentextes so gar nicht erwartet hätte und das mich positiv überrascht hat.

Leider kam ich aus diversen Gründen aber nicht richtig in die Geschichte hinein, obwohl ich es so sehr gewollt habe. Wer vor hat, das Buch zu lesen, sollte diese Rezension besser nicht lesen, da sie Spoiler enthält.

Zu allererst möchte ich sagen, dass ich etwas vollkommen anderes erwartet habe und deshalb vermutlich nicht objektiv bin. Ich hätte mir gewünscht, dass die Menschen in Mentira nicht lügen können, weil sonst irgendetwas Schlimmes passiert… Und dass Melia in eine Situation gerät, in der sie weder Lügen noch die Wahrheit sagen kann und sich deshalb einen anderen Weg suchen muss. Darum ging es aber ganz und gar nicht – nun also von nicht erfüllten Erwartungen zur Realität:

Von diesem zuvor erwähnten postapokalyptischen Endzeit-Setting bekommt der Leser leider nicht allzu viel mit. Statt in heruntergekommenen, halb zerstörten Gebäuden unserer Zeit leben die Charaktere in Burgen und Schlössern. Was ist mit dem Überbleibsel von heute geschehen? Und obwohl einige elektronischen Geräte und Tools offenbar unbeschadet blieben, werden sie nicht genutzt, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Stattdessen näht man Sonnensegel, die die Burg vor Sonneneinstrahlung schützen sollen.

Ich habe mich gefühlt, als erzähle man mir eine Geschichte; erlebt habe ich sie aber nicht. Die Handlung war stellenweise konfus und unglaubwürdig. So berichtet Melia zu Beginn davon, wie schwer Mentira bewacht wird und dass eine Flucht quasi unmöglich ist. Als sie es jedoch darauf ankommen lässt, klappt alles wie am Schnürchen. Gut, vielleicht wirklich wahnsinniges Glück – doch auch Jaron und Ruby schaffen es unbemerkt nach Mentira und wieder hinaus.

Unglaubwürdig waren in meinen Augen auch die Charaktere und ihre Beziehungen zueinander. Die vermeintlich besten Freundinnen Melia und Zohera werden in Nachbarszellen eingekerkert. Während die eine in ihrer Zelle gefangen gehalten wird, wird die andere in ein Gästezimmer umquartiert, erkundet die Burg und verknallt sich in den Unterdrücker, statt auch nur einmal zu versuchen, ihre Freundin zu befreien. Währenddessen setzt ein ihr eigentlich völlig Fremder alles daran, Melia zu befreien, weil er sich nach 5 Minuten in sie verliebt hat und ein anderer ist geradezu besessen von ihr aus nicht erklärlichen Gründen. Leider fallen wahnsinnig viele Namen, die für die Handlung nicht wichtig sind, was nicht zum besseren Verständnis beiträgt.
Interessant fand ich Kilian und Nathan und ihr Zerwürfnis. Beide irgendwie geheimnisvoll. Der eine freundlich, der andere düster. Doch wer von den beiden ist tatsächlich der Böse? (Wenn es denn einen Bösen gibt…) In der Schattenstadt kann man sich nicht wirklich auf Freundlichkeit und Ehrlichkeit verlassen. Vielleicht doch alles nur Lug und Betrug.

Es gibt also eine Flucht, eine Gefangennahme, ein verzwicktes Familiendrama, ein Rebellenclan, viele wechselnde Gesichter und ein großes Problem und man versteht einfach nichts. Warum flieht Melia aus Mentira? Warum wurde Melia gefangen genommen? Statt eingeladen oder abgefangen? Warum hat man ihr ihre Rolle nicht einfach erklärt? Mit ein wenig besserer Kommunikation, wäre das Buch ohne unötige Dramen vermutlich zu schnell zu Ende gewesen.
Warum wurde die Familie entzweit?
Was hat es mit den Rebellen auf sich? Sind sie gut oder böse, stark oder bemitleidenswert? Hier steckt Potenzial und ich wünsche mir unbedingt ein paar mehr Hintergrundinformationen zu ihrer Situation und der Gesellschaft generell.

Anscheinend ist ihm dein Schmerz nicht mehr genug, Kilian.
Hatte Nox überhaupt die leiseste Ahnung, was dieser Satz bedeutete? Meine Qualen waren doch nichts, was man aufwiegen konnte. Dass er sich anmaßte, mir zu erzählen, sie seien nicht qualvoll genug, war ein Schlag in die Magengrube.~S. 357

Zusammenfassend:

Hervorragender Schreibstil!
Interessante, neue Idee! – Leider verwirrend.
Die Beziehungen entwickeln sich zu schnell und unauthentisch.
Emotional konnte das Buch mich nicht abholen.

Band 2 werde ich auf jeden Fall lesen, weil ich mir einige Antworten auf all die Fragen in meinem Kopf wünsche. Außerdem kann Hiemer noch so viel aus der Geschichte machen – vorhersehbar ist das Ende auf jeden Fall schonmal nicht!
Kaum ein anderes Buch lässt mich so verwirrt zurück.

3 von 5 Sternen.

Mentira - Stadt der Lügen

 

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s