Ein Wochenende in Verona

Verona, die wahre Stadt der Liebe?
Seien wir mal ehrlich: Paris ist wunderschön und zum Verlieben, aber wahre Romantiker zieht es zu dem Balkon der Capulets, von dem aus Julia ihren Romeo aufforderte, den Namen Montague abzulegen, um der ewigen Familienfehde zu entkommen und mit ihr zusammen sein zu können.

Julia.
O Romeo, Romeo – – Warum bist du Romeo? – – Verläugne deinen Vater und entsage deinem Namen – – oder wenn du das nicht willt, so schwöre mir nur ewige Liebe und ich will keine Capulet mehr seyn.

~William Shakespeare. Romeo & Julia. Zweite Szene.

Dass Shakespeares Tragödie, die sich angeblich in Verona abgespielt hat, frei erfunden ist, stört die Touristen nicht, die tagtäglich zu tausenden in die Stadt pilgern. Die Casa di Giulietta mit ihrem berühmten Innenhof in der Via Capello 23 zieht schwarenweise Menschen an. Alle wollen den Balkon sehen, Julias rechte Brust berühren, um künftig Glück in der Liebe zu haben, und einen Liebesbrief im Mauerwerk hinterlassen.

Casa di Giulietta

Eine Farce, da der ehemalige Stall ursprünglich nicht einmal über einen Balkon verfügte. Um die enttäuschten Touristen fortan zufriedenzustellen, wurde dieser in den 30er Jahren kurzerhand ergänzt. So wie auch die Bronzestatue von Julia (sorry, Männer, keine echten Brüste!), deren rechte Brust bereits matt und abgegriffen ist. Die Liebesbotschaften werden mit Tesa an die Hauswände geklebt oder gleich auf Post-Its geschrieben.

Leider nicht sehr romantisch, obwohl die Idee, jeden an Julia adressierten Brief zu beantworten, sehr rührselig und fest in die Kommune integriert ist.

Wer den Film Briefe an Julia gesehen hat, weiß um den „Club di Giulietta“, eine von Giulio Tamassia gegründete Organisation, deren ehrenamtliche Sekretärinnen sich den Briefen annehmen und stellvertretend für Julia antworten. Das Briefporto bezahlt sogar die Stadt.

 

Leider hielten wir es nicht sehr lange in dem überfüllten Innenhof aus und suchten uns andere Sehenswürdigkeiten und Freizeitaktivitäten in Verona, die unseren Aufenthalt doch noch angenehm machen sollten:

Ausgestattet mit der Verona Card (ab €18/24h), durften wir die lange Schlange vor der Arena di Verona passieren und uns das zweitgrößte römische Amphitheater nach dem Kolosseum kostenfrei anschauen. Die Karte kann ich jedem nur empfehlen, abzuholen im Tourismusbüro unweit der Piazza Brá.

Abgesehen vom Amphitheater besuchten wir das Castelvecchio, ein mittelalterliches Kastell direkt an der Etsch, den Triumphbogen Arco dei Gavi, das beeindruckende Teatro Romano, von dem aus man eine herrliche Sicht über die Stadt hat, erklommen den Torre dei Lamberti zu Fuß (Aufzug ist aber vorhanden) und schlenderten Affogato und Granita schlürfend durch den Palazzo Giusti, Veronas Botanischen Garten.

Zu guter Letzt nahmen wir an einem Raftingausflug über die Etsch teil, an dem Weine verkostet wurden. 3x hielten wir entlang der Bootsfahrt und wurden mit Weinen und Snacks versorgt. Gegen Ende wurden wir auch sehr nass – Klamotten zum Wechseln sind also keine schlechte Idee. Die Tour ist für jeden geeignet, das „Rafting“ harmloses dahintreiben. Alles andere wäre bei gleichzeitigem Konsum von Alkohol vermutlich auch unvernünftig. Das Adige Rafting hat uns auf jeden Fall einen schönen Nachmittag beschert.

Die Snacks während des Ausflugs konnten unseren Hunger nach 30.000 über den Tag gemachten Schritten aber leider nicht stillen. Deshalb aßen wir in der kleinen Osteria Dogana Vecia, deren wenige Gerichte auf der Tageskarte absolut fantastisch waren! Ich liebe ja solche kleinen Restaurants. Große touristische Restaurants und eine nicht enden wollende Speisekarte schrecken mich eher ab, da ich mich schlecht entscheiden kann und bei großem Angebot auch die Qualität der Speisen in Frage stelle. Diese kleine Perle war also perfekt für mich: Qualität über Quantität! Ein guter Wein und tolle Gesellschaft rundeten den Abend ab.

 

 

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2 Gedanken zu “Ein Wochenende in Verona

  1. Mir ging es beim Julia-Haus ähnlich wie dir. Romantische Gefühle kamen da garantiert nicht auf.
    Was ich besonders grausig fand: als ich dort war hatten einige Leute, die keine Post Its dabei hatten, die „tolle“ Idee gehabt bekritzelte Binden und Slipeinlagen in den Durchgang zu kleben. Vor Angst, die Wände zu berühren hab ich vielleicht ein bißchen hyperventiliert.
    War ich froh, als ich wieder draußen war! 😂

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    1. Iiiiigiiiittttt! Das ist ja eklig… Ich habe einige gesehen, die Kaugummi genommen haben, weil sie kein Tesa hatten. Total unverschämt.
      Aber ansonsten fand ich Verona wirklich schön. Und dann ist es auch so nah am Gardasee, der auch einen Ausflug wert ist… 🙂

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