Harry Potter und das verwunschene Kind

von J.K. Rowling, John Tiffany und Jack Thorne

Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Carlsen (24. September 2016)
Sprache: Deutsch
Originaltitel: Harry Potter and the Cursed Child
Aus dem Englischen von: Klaus Fritz und Anja Hansen-Schmidt
ISBN: 978-3551559005

 

Vorab bitte bedenken, dass ich langjähriger Potter-Fan bin und mich bei dieser Rezension nicht zurückhalten konnte. Spoiler sind garantiert!
(Bild des Covers folgt)

 

Klappentext:

Die achte Geschichte. Neunzehn Jahre später.

Mehr war nicht nötig, um Millionen von Fans kreischend die Buchhandlungen stürmen zu lassen.

 

Kurze Inhaltsangabe:

Die achte Geschichte spielt 19 Jahre später.
Harry Potter ist ein überarbeiteter Ministeriumsangestellter, Ehemann und Vater von 3 Kindern und versucht, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen.
Doch eines Abends sucht Amos Diggory ihn auf und bittet ihn, seinen Sohn Cedric mit Hilfe eines kürzlich beschlagnahmten Zeitumkehrers vor dem Mord durch Lord Voldemort zu retten. Harry lehnt trotz nagender Schuldgefühle ab.
Sein Sohn Albus, der sowieso nicht das beste Verhältnis zu ihm hat, belauscht das Gespräch und setzt sich in den Kopf, Cedric zu retten, indem er und sein bester Freund, Scorpius, mit der Unterstützung von Amos Diggory’s Nichte, Delphi, in der Zeit zurückreisen und Cedric davon abhalten, das Trimagische Turnier zu gewinnen. Doch als sie in die Geschichte eingreifen, verändern sie diese auch und landen in einem Paralleluniversum, in dem Lord Voldemort noch immer herrscht, Harry getötet wurde und Albus nie auf die Welt kam. Verzweifelt versucht Scorpius die ursprüngliche Ordnung wiederherzustellen. Doch als es ihm endlich gelingt, müssen er und der verwirrte Albus feststellen, dass Delphi gar nicht an der Rettung von Cedric interessiert ist, sondern das wahnwitzige Ziel verfolgt, ihren Vater kennenzulernen: Lord Voldemort.
Können Albus, Scorpius, Harry, Ron, Hermine und Draco die Welt vor einer erneut aufgekeimten dunklen Bedrohung schützen??

 

Meine Meinung:

„Don’t judge a book by its cover.“ – wieder wahr, diesmal ist das Cover aber wunderschön.

Das Buch ist das Skript zu dem in diesem Jahr erschienenen Theaterstück, worüber man sich beim Kauf bewusst sein sollte, da es ausschließlich in Dialogform geschrieben ist und so die Emotionen, Intensität und Witz verloren gehen, die man aus den ursprünglichen 7 Bänden gewohnt ist.

Die Idee von dem Sohn, der sich mit der Berühmtheit seines Vaters herumschlagen muss, ist interessant. Auch die Handlung und die „Was wäre wenns“ (Alternativwelten) haben mich fasziniert, wenn die Reise dorthin auch nicht sonderlich gut durchdacht ist. Um den ein oder anderen Logikfehler kommt man einfach nicht umhin.

Was mich leider sehr enttäuscht hat, ist die Darstellung der bereits bekannten Charaktere. Dies mag auch der Skriptform geschuldet sein, die den Leser zum Einen nicht an den Gedanken der Protas teilhaben lässt. Zum Anderen werden Situationen und Charaktere im Theater in der Regel sehr überspitzt dargestellt. Das macht aus Ron eine nichts bewirkende und einfach nur übernatürlich dumm erscheinende Nebenfigur, die im Laufe des Stücks zu der Personifikation eines schlechten Running Gags wird.
Professor McGonagall wird von der Professorin mit harter Schale und weichem Kern zu einer Schuldirektorin mit harter Schale und unausstehlichem Kern. Die Professor McGonagall, die ich aus den vorherigen Bänden kannte, habe ich respektiert und bewundert. Diese Neue verabscheue ich geradezu.
Zu Harry sage ich nur, dass es mich wundert, dass eine Person so viel Liebe empfinden kann, um Voldemort aus ihrem Körper zu vertreiben, und sich gleichzeitig so unsensibel dem eigenen Sohn gegenüber aufführt…
Lord Voldemort… J.K. Rowling hatte mit ihm doch den perfekten Bösewicht erschaffen. Ein Charakter mit Tiefgang, mit einer eigenen Geschichte und der ganz eindeutigen Unfähigkeit zu lieben. Warum hätte jemand, der zu Zuneigung nicht imstande ist und davon ausgeht, unsterblich zu sein, ein Kind zeugen sollen? Und dann auch noch mit Bellatrix Lestrange? Ja, sie hat ihn immer angehimmelt, aber warum ist Delphi bitte nur darauf versessen ihren Vater, nicht aber ihre Mutter kennenzulernen? Schließlich ist auch Bellatrix in der Schlacht um Hogwarts endgültig von Molly Weasley bezwungen worden. Hier fehlten mir an einigen Stellen einfach die Worte.
Draco Malfoy ist endlich erwachsen geworden und wird dem Leser in diesem Band präsentiert, wie ich ihn mir tatsächlich im Alter vorstellen könnte.
Ginny und Hermine sind sich noch am ehesten treu geblieben.

Von den neuen Charakteren hat man keine Erwartungen, weswegen sie womöglich weniger anecken als Harry, Ron und Co.
Und doch hatte ich beim Lesen unentwegt den Eindruck als sei Albus viel jünger als er tatsächlich ist. Bei den Zeitreisen ist er immerhin schon älter als Harry es war, als dieser seine ersten Abenteuer bestreiten musste.
Die Freundschaft zwischen Albus und Scorpius finde ich generell zwar eine gute Idee (ein Potter und ein Malfoy – jedes Kind rebelliert eben gegen seine Eltern), aber sie hat mich in vielerlei Hinsicht stutzig gemacht. Von dem Verhalten her gehören die beiden doch eher nach Hufflepuff oder Gryffindor als nach Slytherin. Generell hatte ich immer den Eindruck, dass Slytherins zu tatsächlicher Freundschaft nicht imstande seien und das Schließen von Freundschaften immer einen Zweck erfüllen sollte. Und dann scheinen diese Beiden sogar ein wenig mehr für einander zu empfinden als schiere Freundschaft. Das ist ja auch ganz in Ordnung… Warum wird es denn dann nicht so gehandhabt, sondern als Freundschaft verkauft? Im 21. Jahrhundert sollte Homosexualität kein Problem mehr darstellen!
Statt mit Albus in die Vergangenheit zu reisen, hätte ich lieber mit ihm Hogwarts und die magische Welt in seiner eigenen Zeit bereist – miterlebt, wie er mit der Last Harry Potters Sohn zu sein, umgeht… Mit Hänseleien, mit Spott und Bewunderung. Als Slytherin hätte ich ihm eine düstere Seite zugetraut, die sich Spott nicht gefallen lassen oder sich sogar dafür rächen will und die in Bewunderung schwelgt. Das wäre natürlich ein nicht allzu sympathischer Protagonist geworden. Wieder ein Indiz dafür, dass der Charakter, so wie er ist, in einem anderen Haus besser aufgehoben gewesen wäre.

 

Und eines muss ich noch loswerden: Seit wann können Eltern in Hogwarts ein- und ausgehen, wie es ihnen gerade beliebt??
Und mir war auch nicht bewusst, dass das Büro des Schulleiters an das Flohnetzwerk angeschlossen ist. So viel zum Thema Sicherheit in Hogwarts…

 

Fazit: Nette Geschichte, süße Fanfiction, aber als gehypter und theatralisch (man bemerke den Wortwitz!) vermarkteter achter Band eine Enttäuschung. Das magische Potter-Leseerlebnis blieb diesmal leider aus! Vielleicht hätte man es bei 7 Harry-Potter-Bänden belassen sollen und zu einer anderen Zeit und mit einem anderen Zauberer anhand eines neuen Romans in die magische Welt zurückkehren sollen.
*hust* Phantastische Tierwesen in Romanform, statt Skript!! *hust*

 

Leider nur 2 von 5 Sternen, weil die Macher sich über die Wirkung auf die Fans bewusst gewesen sein müssen und dennoch nichts „Besseres“ auf die Beine gestellt haben.

Man bemerke aber bitte, dass ich nur das Skript als Lese-Erlebnis bewerte. Das Stück selbst kann durch Kostüm, Bühnenbild, Verkörperung und das dargestellte Spiel vielleicht viel lebendiger, schöner und runder sein. Um das beurteilen zu können, müsste ich es gesehen haben. 😉

harry potter

 

Und jetzt bin ich auf eure Meinungen gespannt und würde mich über rege Diskussion freuen! 3, 2, 1, GO!

 

 

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2 Antworten zu Harry Potter und das verwunschene Kind

  1. pocahontasmaay schreibt:

    Also zunächst einmal finde ich du müsstest eigentlich noch einmal vor weg klipp und klar sagen dass man den Beitrag nur lesen sollte wenn man das Buch gelesen hat, da ich das getan habe ist das hier ja kein Problem und auch sonst bin ich jemand der bei den ersten Anzeichen an spoilern das weite sucht… Ich habe viel mehr Angst um weniger vorsichtige Leute 😊 (keinesfalls als Kritik sondern bloß als kleine Anmerkung gemeint)

    Jetzt zu meinen Eigentlichen Gedanken, ich stimme dir in einigen Punkten zu, andere finde ich etwas überspitzt was vielleicht auch daran liegen kann, dass ich etwas blind vor liebe bin…
    Ja Harry ist ein ziemlich unsympathischer Idiot (macht absolut keinen Sinn) und ja Ron kommt vielleicht ein bisschen dumm vor und oh ja ich dachte auch Albus und Scorpious wirken eher wie 12… Diese leichte Andeutung auf mögliche Gefühle zwischen den beiden fand ich aber gut 🙂 zu deinem Einwand wege slytherin muss ich dir widersprechen, Snape hat z.b lily geliebt und war zu echter liebe etc. Fähig und wollte auch ihr freund sein hatte es sich aber selbst Verbockt und Harry selbst sollte ja auch nach slytheri, obwohl wir ihn ja ganz anders kennen… Ich denke das die Zugehörigkeit eines Hauses ein bisschen groß gemacht wird, genauso wenig wie nicht jeder in griffendor tapfer und treu ist, sind nicht alle slytherin boshaft….
    Trotzdem oder grade deshalb eine sehr schöne Rezi, die deine Meinung super auf den Punkt bringt 🙂

    Gefällt 1 Person

    • weltentzueckt schreibt:

      Huhu!
      Also, ich hatte eigentlich ziemlich groß drüber geschrieben (gleich nach den üblichen Verkaufsdaten), dass ich ein riesiger Fan bin, mich leider nicht zurückhalten konnte und die Rezi deshalb von Spoilern geflutet ist…
      An Snape hatte ich auch zuerst gedacht und überlegt, ob er die These nicht widerlegt. Aber er hat seine gesamten Emotionen auf eine Frau gebündelt. Liebe, Angst vor dem Alleinsein, Besessenheit… Man kann der Snape-Lily-Beziehung viele Namen geben. Ich bin mir nicht sicher, ob Snape je einen tatsächlichen Freund hatte. Selbst Dumbledore war wohl mehr Mentor/Vertrauter als ein Freund.
      Nach dem Gedankengang hab ich es also doch abgetippt.
      Und ich glaube auch nicht, dass eine Eigenschaft eine andere ausschließt. Die anderen Tugenden lassen sich alle sehr gut miteinander verbinden. Man kann selbst mutig und fies sein oder schlau und listig. Aber Loyalität und Freundschaft gehören mehr nach Hufflepuff. Und das passt so gar nicht zu den Tugenden von Slytherin. Hufflepuff ist nicht umsonst das Haus, das noch nie einen Todesser hervorgebracht hat😉
      Danke für deinen Beitrag, ich finde es immer spannend, unterschiedliche Meinungen zu einem Thema zu hören, dass mich begeistert!!
      LG Lisa

      Gefällt 1 Person

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