Pride & Prejudice: über Stolz

pride and prejudice

Wie der Name des Buches leicht erkennen lässt, spielt die, meist nicht mit positiven Assoziationen verbundene, Eigenschaft Stolz eine nicht unwesentliche Rolle in der Geschichte.

 

„‚His pride,‘ said Miss Lucas, ‚does not offend me so much as pride often does, because there is an excuse for it. One cannot wonder that so very fine a young man, with family, fortune, everything in his favour, should think highly of himself. If I may so express it, he has a right to be proud.'“

Wie unschwer erkennbar ist, hat Mr. Darcy’s Auftreten unterschiedlichsten Eindruck auf die jungen Damen in Hertfordshire gemacht. Elizabeth ist von seiner arroganten Art zunächst angewidert. Charlotte hingegen empfindet, dass er das Recht hat stolz (hier wohl eher arrogant) zu sein, weil er gut aussieht, aus einer überaus wohlhabenden Familie kommt und obendrauf wohl dazu erzogen wurde, stolz zu sein. Ganz anders als Mr. Collins, der sich selbst für viel wichtiger hält als er ist:

„A fortunate chance had recommended him to Lady Catherine de Bourgh when the living of Hunsford was vacant; and the respect which he felt for her high rank, and his veneration for her as his patroness, mingling with a very good opinion of himself, of his authority as a clergyman, and his right as a rector, made him altogether a mixture of pride and obsequiousness, self-importance and humility.“

Mr. Collins fühlt sich nach der Abfuhr Elizabeth’s in seinem Stolz angegriffen und reagiert bei ihrem nächsten Zusammentreffen sehr durchschaubar: Ausführlich zeigt er ihr sein schönes Haus mit all den teuren Möbeln und dem Luxus, den er durch Lady Catherine erfährt, und gewinnt doch bloß Elizabeths Mitleid. Denn sie macht sich aus diesen Dingen nichts. Nicht, wenn der Preis ein Leben mit Mr. Collins gewesen wäre.

„…and she [Elizabeth] could not help fancying that in displaying the good proportion of the room, its aspect and its furniture, he addressed himself particularly to her, as if wishing to make her feel what she had lost in refusing him.“

 

Elizabeth überrascht mich zunächst mit einer nicht abwertenden Aussage zur Eigenschaft Stolz:
„…I could easily forgive his pride, if he had not mortified mine.“

Sie bekennt sich dazu, Mr. Darcy seinen Stolz zu verzeihen – hätte er den ihren nicht verletzt. Da sie sich selbst als stolz bezeichnet, empfindet sie diese Eigenschaft an ihm nicht weiter störend. Dass er ihr unbekannterweise eine Abneigung entgegenzubringen scheint und ihre Gefühle verletzt, in dem er ihr Aussehen als „nur recht passabel“ bezeichnet, stört sie hingegen schon.

 

Weiter wird erklärt:
“ […] Vanity and pride are different things, though the words are often used synonymously. A Person may be proud without being vain. Pride relates more to our opinion of ourselves, vanity to what we would have others think of us.“

Ein schönes Zitat und allzu wahr: Stolz und Eitelkeit sind nämlich nicht zu verwechseln, auch wenn sie manches Mal synonym verwendet werden. Der Stolz ist eine Eigenschaft, die sich mehr auf unsere Selbsteinschätzung bezieht. Man kann stolz sein ohne eitel zu sein. Ich bin stolz auf das, was ich bisher erreicht habe. Aber ich lege meine bisherigen Errungenschaften nicht vor aller Welt (und den möglicherweise weniger Glücklichen) aus. Dies wäre eitel – Eitelkeit zielt darauf ab, andere zu beeindrucken und ist eine weit lästigere Eigenschaft als der Stolz.

 

Bisher hat man trotz der guten Definition von Stolz und Eitelkeit am Anfang das Gefühl, Stolz sei immer mit etwas Negativem belastet. Elizabeth stellt bzgl. Mr. Darcy folgende Frage und erhält eine Antwort, die beweist, dass Stolz durchweg gut sein kann:
„‚Can such abominable pride as his, have ever done him good?‘ ‚Yes. It has often led him to be liberal and generous, – to give his money freely, to display hospitality, to assist his tenants, and relieve the poor. Family pride, and filial pride, for he is very proud of what his father was, have done this. […] He has also brotherly pride, which with some brotherly affection, makes him a very kind and careful guardian of his sister.“

Mr. Darcy’s Stolz macht ihn großzügig und freigiebig, in finanziellen Dingen und Gastfreundschaft. Er gibt, weil er es kann (und nicht erscheinen möchte, als hätte er finanzielle Probleme), aber nichtsdestotrotz gibt er und hilft somit aus. Er besitzt Familienstolz, der ihn antreibt ein genauso guter Grundherr zu sein, wie sein Vater es war. Er möchte keinen seiner Angestellten verlieren oder in ihrem Ansehen sinken. Ein nobler Zug. Und er ist erfüllt von brüderlichem Stolz, den ich ihm mit einem 8 Jahre jüngeren Bruder sehr gut nachfühlen kann. Dieser brüderliche Stolz gebietet es ihm, sich um seine kleine Schwester zu kümmern, für sie da zu sein – finanziell, als Vormund, Beschützer und moralisch als Vorbild und Stütze. Was kann schlecht sein an solch einer Art von Stolz?

 

„‚How despicably I have acted!‘ she cried; ‚I, who have prided myself on my discernment! […] vanity, not love, has been my folly. Pleased with the preference of one, and offended by the neglect of the other, on the very beginning of our acquaintance, I have courted prepossession and ignorance, and driven reason away, where either were concerned. Till this moment I never knew myself.'“

Au wei, Elizabeth erkennt, dass sie von ihrer Eitelkeit, sich selbst für eine gute Menschenkennerin gehalten zu haben, geblendet war. Sie erkennt sich selbst kaum wieder und ist schockiert, wie sie der Wahrheit bezüglich Mr. Dary und Wickham gegenüber nur so blind hatte sein können.

 

Elizabeth ist also zu stolz gewesen, um die Wahrheit zu erkennen. Doch auch Mr. Darcy kann eingestehen, dass sein Stolz nicht immer gerechtfertigt war:
„I was given good principles, but left to follow them in pride and conceit.“

Selbsterkenntnis: Der erste Schritt zur Besserung!

 

Ist Stolz nun also eine Eigenschaft, die wünschenswert ist?
Oder ist sie im Grunde nur lästig, weil sie meist nicht im Zaum gehalten werden kann?!
Wie seht ihr das?

LG Lisa

 

 

*Kapitelangaben folgen

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6 Antworten zu Pride & Prejudice: über Stolz

  1. mimisleseecke schreibt:

    tolle Rezi, ich habe mir nun das Buch bei amazon gekauft…ich kannte es bisher nur als Film, da werden einem manche Zitate gar nicht so bewusst
    Mimi

    Gefällt 1 Person

    • lisaroundtheglobe schreibt:

      Hi Mimi!
      Dies ist einer meiner Themenbeiträge. Das Buch hat so viel zu bieten, dass ich mich einfach etwas ausführlicher damit beschäftigen muss. Die eigentliche Rezension findest du hier.
      Sie ist allerdings etwas kurz gehalten, weil ich den Themenbeiträgen nicht zu viel vorweg nehmen wollte.
      LG Lisa

      Gefällt mir

  2. Pingback: Pride & Prejudice | lisa 'round the globe

  3. freidichterin schreibt:

    Ach ein gutes Maß an Stolz hat noch niemanden geschadet würde ich sagen, mit gehen Menschen mit durchschnittlich wenig Selbstwertgefühl viel mehr auf die Nerven.
    Bei Arroganz ist das natürlich schon wieder etwas ganz anderes, das und eingebildete Menschen finde ich bisweilen sehr unangenehm.

    Gefällt 1 Person

  4. Pingback: Pride & Prejudice: über Vorurteil | weltentzückt?

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