Noah

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von Sebastian Fitzek

Taschenbuch: 558 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe; Auflage 1 (18.12.2014)
Sprache: Deutsch
Originaltitel: Projekt Noah
ISBN: 978-3-404-17167-5
€ 9,99
Dieses Exemplar: Mängelexemplar von REWE für € 3,99

 

Klappentext:

Zur Geburt Jesu Christi lebten 300 Millionen Menschen auf unserem Planeten. Heute sind es sieben Milliarden. Wie viel ist zu viel?

Sie wissen nicht, wer Sie sind.
Sie wissen nicht, was Sie in der Stadt wollen, in der Sie sich gerade befinden.
Sie wissen nicht, warum Sie auf der Straße leben.
Sie wissen nicht, warum in Ihrer Schulter eine frische Schusswunde verheilt.

Sie wissen nur:
Jemand wollte Sie töten.

Und Sie wissen auch: Er wird es wieder versuchen. Weil Sie ein Geheimnis in sich tragen, von dem das Schicksal der gesamten Welt abhängt. Werden Sie sich erinnern, bevor es zu spät ist?

 

 

Charaktere:

Die Geschichte setzt sich aus den verschiedenen Sichtweisen des Hauptprotagonisten Noah, der Reporterin Celine, einer verzweifelten Mutter im Slum Manilas, des Auftragskillers Adam Altmann und Jonathan Zaphire, dem Geschäftsführer eines Pharmakonzerns, zusammen.

Noah wacht in Berlin auf. Er weiß nicht, wer er ist, woher er kommt, was ihm geschehen ist. Der Name Noah ist in seine Hand tätowiert. Deshalb nennt Oscar ihn nun Noah. Oscar ist ein Obdachloser, der ihn gefunden und einigermaßen gesund gepflegt hat.
Die natürliche Reaktion auf eine Amnesie ist herausfinden zu wollen, wer er ist. Doch als er ein Bild in einer Zeitung wiedererkennt, dessen Urheber gesucht wird und sich daraufhin bei dem Nachrichtendienst meldet, geht es für ihn spiralförmig von einer Katastrophe in die nächste. Wieder und wieder sieht er sich Männern gegenüber, die ihn zu töten suchen. Neben der Neugier schleicht sich nun auch Angst in ihn. Was für eine Sorte Mensch kann er denn nur sein, wenn gleich mehrere Organisationen hinter ihm her sind? Und warum ist sein Tod für sie so wichtig? Er lernt langsam mehr und mehr über sich selbst und steht sich durch seine Amnesie selbst sehr distanziert gegenüber.

Die Reporterin Celine arbeitet für NNN in New York und ist im ersten Trimester schwanger. Sie ist fassungslos als sich Wochen nach der Suchaktion endlich ein Anrufer meldet, der tatsächlich der Maler des ausgeschriebenen Bildes sein könnte! Und noch erschrockener als sie plötzlich verschleppt, bedroht und als Druckmittel eingesetzt wird. Durch sie wollen myteriöse Dritte an Noah herankommen, einen Mann, den sie noch nicht einmal kennt! Sie ist in Sorge um ihr ungeborenes Kind, um ihren Vater, der aufgrund einer Quarantäne am JFK festhängt und um sich selbst. Im Laufe des Buches muss sie einiges durchstehen und ich bewundere ihre ungemeine Stärke!

Die verzweifelte Mutter von Noel und Jay im Slum Manilas auf den Philippinen, weiß sich nicht zu helfen als ihr kleines Baby Noel kurz vor dem Verhungern ist und der Slum abgeriegelt wird. Manila-Grippe. Die Bewohner der Müllkippe werden unter Quarantäne gestellt, weil diese angeblich der Infektionsherd sein soll. Keiner kommt raus – vor allem nicht, nachdem die Medikamentenknappheit bekannt wird und die Reichen sich vor einem Ansturm der Slum-Bewohner auf die Apotheken fürchten. Sie muss die Halde aber verlassen, um ihr kleines Baby zu retten. Ihr 7-Jähriger übernimmt die Führung, die über Leben und Tod seines Bruders entscheiden wird.

Adam Altmann ist ein Auftragskiller der amerikanischen Regierung. Er beseitigt die Konflikte, die sich nicht durch Verhandlungen und Kompromisse lösen lassen. Normalerweise möchte er weder den Namen, noch jegliche Hintergründe seiner Opfer wissen. „[Man will] ja auch nicht vom Kellner den Kosenamen des Kaninchens erfahren, bevor er es [einem] serviert.“ (S. 355)
Als er jedoch erkennt, dass Noah selbst das Talent zum Töten besitzt, wird er neugierig und die Antworten auf seine Fragen über Noah, führen bei ihm zu einem Sinneswandel. Denn er hat sich mit der Manila-Grippe infiziert und Noah ist seine einzige Chance auf Rettung. Statt ihn zu töten, sucht er ihn auf und unterstützt ihn im Kampf gegen das fürchterliche Schicksal, das bald nicht nur ihn, sondern auch 3,5 Milliarden andere Menschen, heimsuchen wird.

Jonathan Zaphire ist der Geschäftsführer eines Pharma-Konzerns, der ausnahmsweise keinen Profit aus seinen Medikamenten schlagen möchte, sondern die Welt zu retten versucht. In Stufe 1, Kapitel 9, hält er eine unglaubliche Rede auf einem Galadinner, die einigen vermutlich gehörig den Appetit verdirbt.

 

Meine Meinung:

Dieses Buch war etwas durchschaubarer als noch Passagier 23, das erste Buch von Fitzek, das ich je gelesen habe. Aber es ist so stark durchdacht, so realitätsnah und verstörend, dass es Passagier 23 meiner Meinung nach sogar übersteigt!
Die Beschreibung von dem Slum Manilas auf den Philippinen ist genauso detailgetreu wie die Fitzeks Ortskenntnis von Berlin. Obwohl es sich bei dem Buch um einen Roman mit fiktiven Personen und Handlungen handelt, entsprechen die „geäußerten Fakten über den gegenwärtigen Zustand unserer Welt“ (S. 550), mit denen Zaphire, die Bevölkerung (und den Leser) aufweckt, der Wahrheit. Selbst die von Oscar genannten Bilderberg-Konferenzen, die Noah zunächst als reine Hirngespinste abtut, finden tatsächlich „unter den in diesem Buch beschriebenen Sicherheits- und Geheimhaltungsvorschriften alljährlich statt“ (S. 550).
Dieses Buch sollte man nicht lesen, wenn man den Zustand der heutigen Welt nicht verkraftet! Wir leben in einer grausamen Welt. Passagier 23 war ein Psychothriller, der durch planken Horror Angst einflößte; in Noah sind es die vielen Wahrheiten, vor denen wir unseren Geist bewusst verschließen, die einen wirklich schaudern lassen. Wir schauen lieber weg, weil „wir die Welt so, wie wir sie uns geschaffen haben, nicht eine Sekunde ertragen“ (S. 539) können. Aber am besten lasse ich das Buch wohl mal für sich sprechen.

 

Hier einige Zitate, die dieses Buch so lesenswert machen:

„Meine Damen und Herren, machen Sie bitte einmal das, was Sie am besten können. Vergessen Sie einfach, was Sie wissen. […] Es geht hier nicht um Umweltschäden, die ein einziger Hamburger anrichtet, weil für seine Herstellung so viel Wasser verschmutzt wird, wie Sie für siebzehn Duschbäder brauchen. Vergessen Sie, dass ein Drittel aller fossilen Brennstoffe der USA für die industrielle Fleischerzeugung draufgehen. Und ignorieren Sie die Tatsache, dass Sie nur einen Blick auf die tumben Breitarschgesichter vor der Kasse eines Fastfood-Restaurants werfen müssen, um zu begreifen, dass wir viel zu viel Fleisch essen, während alle sechs Sekunden in der Welt ein Kind an Hunger stirbt.“ (S. 77)

„Unser Planet ist nicht dafür geschaffen, dass wir alle Auto fahren. […] Jedes Jahr in den Urlaub fliegen, täglich duschen, alle fernsehen. […] Dafür reichen unsere Rohstoffe nicht. Nicht für sieben Milliarden Menschen. […] Wir alle wissen das. Aber niemand von uns will freiwillig seinen Lebensstil ändern…“ (S. 537)

Ich wünsche mir, dass das Buch alle so zum Nachdenken anregt wie mich. Ich weiß noch nicht, was ich verändern werde, um meinen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, aber ich weiß, dass ich etwas ändern muss.
Gleichzeitig finde ich es absolut schockierend, wie unser Leben von der Wirtschaft und Ressourcen abhängt, die es irgendwann nicht mehr geben wird, von dem Problem der Atommüllbeseitigung, dem Aufkaufen des Grundwassers durch die größten Konzerne, …
Die Liste von dem, was heute falsch läuft, ist unendlich lang. Dieses Buch holt einen wirklich aus seiner rosarot-glitzernden Blase.

 

ACHTUNG * SPOILER-ALERT!

Zaphire ist für mich der interessanteste Charakter in diesem Buch. Er ist grausam und wird wohl zurecht mit Hitler verglichen. Er macht einem Angst, weil höhere Mächte wohl tatsächlich so über Leben und Tod entscheiden könnten, wie er. Man möchte ihn hassen, weil er bereit ist 3,5 Milliarden (!!!) Menschenleben zu opfern. Und gleichzeitig ist alles, was er sagt, bedauerlicherweise wahr. Er kämpft bis zum bitteren Ende für seine Überzeugung. Seine Ziele sind nobel, die Umsetzung fürchterlich!!

*SPOILER-ENDE*

 

 

 

5 von 5 Sternen.
Und die Bitte an alle: Lest wenigstens Kapitel 9!

 

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5 Antworten zu Noah

  1. Pingback: Monthly Motivation: März 2016 – All Around the World

  2. Nicole schreibt:

    Hey Lisa,

    klingt sehr vielversprechend 🙂 Ich liebe Fitzeks Bücher und „Noah“ steht definitiv auch bald an!

    Liebe Grüße,

    Nicole

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Gemeinsam Lesen: 26.04.2016 | lisa 'round the globe

  4. Pingback: Love is for Tomorrow | weltentzückt?

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