Throwback Thursday: Der Struwwelpeter

Obgleich die Geschichten des Struwwelpeters von Heinrich Hoffmann nervenaufreibend und angsteinflößend sind, habe ich sie als Kind doch so sehr geliebt, dass meine Mutter und ich sie heute noch auswendig kennen. „Mama, da musst du lesen!“ sagte die kleine Lisa und tippte mit ihrem Finger auf das Buch, als Mutti unverschämterweise mit einem Auge die Nachrichten im Blick behielt.

Das Buch ist schon uralt und sieht fürchterlich aus – vermutlich, weil mein Vater es früher als Dart-Unterlage benutzt hat. Genaugenommen habe ich es also gerettet, und trotz der vielen Einschusswunden, fand auch mein kleiner Bruder großen Gefallen daran.

Zwei Geschichten jedoch mochte ich wirklich nie: Die Geschichte des bösen Friederich, „das war ein arger Wüterich!“ und des Hans Guck-in-die-Luft, denn schon damals konnte ich nicht verstehen, wie man bitte mit solchen Scheuklappen durch diese schöne Welt gehen kann.

Die gar traurige Geschichte mit dem Feuerzeug hat mich auf ewig beeinflusst. Ich liebe Lagerfeuer und Kerzenschein, aber Feuerzeuge benutze ich nur höchst widerwillig – vermutlich wegen der armen Katzen, Minz und Maunz, die mir in der Geschichte immer am meisten leidtaten.

Die Geschichte vom Daumenlutscher ist der Hammer! – Für alle, die nicht am Daumen lutschen. Handelte sie doch bloß vom Fingernägelkauen!! Vielleicht hätte ich es mir dann im Kindesalter abgewöhnt…

„Weh jetzt geht es klipp und klapp
mit der Scher‘ die [Finger] ab,
mit der großen scharfen Scher‘!
Hei! da schreit [die Lisa] sehr.“

Ja, ziemlich sicher, dass DAS den Zweck erfüllt hätte…

 

Und auf eine Figur möchte ich euch doch besonders aufmerksam machen: Die Rolle der Mutter des Zappel-Philipps. Was hat die werte Dame uns doch alle zum Lachen gebracht, denn egal was auch geschieht, stets tut sie nur eines: „und die Mutter gucket stumm auf dem ganzen Tisch herum.“

Gott sei Dank hat sich das Rollenverhältnis seit damals etwas geändert!!

…Und die Erziehungsmethoden! Heinrich Hoffmann war zu seiner Zeit nämlich Arzt und Psychiater und schrieb diese Geschichten für seinen eigenen Sohn. In jeder Geschichte widerfährt einem Kind nach einem Fehlverhalten etwas Schlimmes – die Moral der Geschichten: Sei stets brav, höre auf Mutter und Vater und dir wird nichts geschehen.

Dies kennt man aus dem autoritären Erziehungsstil, der sich durch strenge Regeln, harte Bestrafung und hohe Kontrolle auszeichnet, und zunehmend in Kritik gerät, weil die Kinder mit Folgen wie geringem Selbstwertgefühl zu kämpfen haben und meist Schwierigkeiten haben, ihre eigene Meinung zu bilden und zu vertreten.

 

 

Wie sieht’s bei euch aus? Haben eure Eltern euch die Geschichten vom Struwwelpeter vorgelesen oder der Struwwelliese und Max und Moritz den Vorzug gegeben?

Welche Geschichte hat euch besonders geprägt und warum?

 

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2 Antworten zu Throwback Thursday: Der Struwwelpeter

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