Traumstrände

auf Koh Rong Samloem –

8:30 Uhr: Ein Minivan bringt uns für $5 von Kampot nach Sihanoukville. Die Fahrt dauert nicht lange und der Minivan ist zur Abwechslung mal nur halb voll. In Sihanoukville besorgen wir uns Boottickets und hoffen inständig, dass Koh Rong Samloem eine gute Wahl ist.
45 Minuten mit dem Speedboot ($20); mir wird schon etwas schlecht. Tristan lehnt seinen Kopf gegen den Vordersitz und ich denke, dass auch er mit der Übelkeit zu kämpfen hat. Doch dann realisiere ich, dass er schläft!! Bei dem Wellengang schlägt sein Kopf von links nach rechts – es ist mir ein Wunder wie er nur schlafen kann!

Aber als wir in der 4km-langen Saracen Bay ankommen, weiß ich direkt, dass ich die übelkeiterregende Fahrt jederzeit wieder ertragen würde… Wir sind im PARADIES!

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Solch türkises Wasser, solch einen weißen Strand habe ich noch nie gesehen. Der Sand ist sogar so fein, dass er sich unter unseren Füßen anfühlt wie Mehl.
Vom Bootssteg schlendern wir mit unseren Rucksäcken zur ersten Bungalow-Anlage – und dann weiter zu der nächsten… Und noch weiter.
Wir fragen nach Preisen und vergleichen. Die meisten verlangen $50 – $80 für eine Nacht im Bungalow – unmittelbar am Meer. Eine Dame verhandelt im Preis und geht hinunter auf $30. Wir danken ihr und nehmen uns vor, zurückzukommen, wenn wir preislich nichts besseres finden. Doch wer sagts denn… Direkt nebenan erspähen wir einige Zelte direkt am Strand. Zwei junge koratische Päärchen bauen sich hier gerade ihre Anlage “ Sweet Dreams“ auf. Da das Projekt noch in den Kinderschuhen steckt, bieten sie zunächst Zelte für $5 pro Person und kleine Zimmerchen für $15 pro Person an. Die Zimmer liegen aber 45 Sekunden in den Urwald hinein und haben (noch) keinen Meerblick. Wir wollen das Zelt ausprobieren. Sollte es uns zu heiß werden, können wir ja immer noch in das Bungalow umziehen, denken wir uns. Alex erklärt uns, dass er zurzeit kein laufendes Wasser hat. Das Trinkwasser im großen Tank bräuchte er ausschließlich für die Küche. Uns soll es recht sein. Die Zähne können wir uns mal mit Wasser aus der Flasche putzen und uns einige Tage im Meer erfrischen.

A propos… Schnell laufen wir hinaus ins Wasser bis wir gerade noch stehen können. 50? 60? 70 Meter bis zum Strand, schätzt Tristan. Ich könnte schwören, dass es doppelt so weit ist, aber vermutlich hat er recht (bei Ebbe 150-200 Meter!!).
Wir legen uns in einen Korb und lassen uns von Wind und Sonne trocknen. Dann gehen wir Mittagessen. Tristan nimmt ein Lunch-Set. Eine Kürbissuppe und Spaghetti mit Hühnchen und Salat für $3,50. Neben uns sitzen drei junge deutsche Männer. Wir kommen ins Gespräch und sie verraten uns, dass es am anderen Ende des Strandes Sonnencreme, Snacks und allerlei Kleinigkeiten zu kaufen gibt. Außerdem erzählen sie uns von schönen Tauchspots, dass man Kanus für $10 die Stunde mieten kann und wo der Leuchtturm steht.
Wir beschließen gleich aufzubrechen und uns mit Sonnencreme und Moskitospray auszustatten. Wir lassen unsere Schuhe im Zelt, laufen barfuß den Strand entlang, sammeln Muscheln auf und genießen die Ruhe – denn die wenigen anderen Touristen liegen auch nur faul am Strand und relaxen.
Wir lassen den Tag gemütlich ausklingen bei ein oder zwei oder drei Partien UNO und „Sweet Dream – Shakes“ trinkend (Wassermelone-Maracuja). Dann krabbeln wir in das geräumige Zelt und machen es uns auf den dort ausgebreiteten Matten bequem. Mich wundern die Decken zunächst, doch nachts gewittert es und kühlt erstaunlich ab, sodass ich morgens tatsächlich eingepackt aufwache.

An diesem Morgen wollen wir gar nicht ausschlafen. Viel zu gespannt sind wir auf den Sonnenaufgang im Paradies – und dieser ist wirklich traumhaft!

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Wir nutzen die Gelegenheit einige schöne Erinnerungsfotos zu knipsen und eine erste Runde zu schwimmen – als die ersten und einzigen im Meer. Das Wasser ist noch ganz ruhig.
Doch nach und nach füllt sich die Luft mit Leben. Alex wird wach und versorgt uns mit Frühstück, dass ziemlich auf sich warten lässt. Aber wir sind ja nicht in Eile und bei Ei, Pancakes und Kaffee für $4 sollte man auch wirklich nicht meckern.

Nach dem Frühstück brechen wir mit nichts als der Kamera auf zum Leuchtturm. Den Strand entlang, dann halb rechts in den Urwald. Nach einer dreiviertel Stunde Urwaldtrek merken wir, dass wir Wasser hätten mitnehmen sollen und zumindest Geld, um uns am Ziel welches kaufen zu können…
Nunja, wir müssten schließlich bald da sein… Nach über einer Stunde erreichen wir den Leuchtturm – nassgeschwitzt! Mit gesundem Knöchel ist der Weg auch in 45 Minuten machbar. 30 Minuten, die Einheimische uns vorab angekündigt hatten, halte ich bei den Temperaturen aber für utopisch.

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Der Leuchtturm also… Was soll ich es beschönigen… Dort war nichts. Ein grauer Betonturm auf einem Berg – keine Chance sich kurz abzukühlen, kein Restaurant, um sich eine kleine Erfrischung zu gönnen, selbst wenn man Geld dabei hat. Wenn wenigstens die Aussicht gut wäre… Doch die Sicht ist von Bäumen und Büschen versperrt. Für einen Dollar darf man den Leuchtturm erklimmen, um wenigstens von dort aus die Buchten zu überblicken. Da wir geldlos sind, bleibt uns das aber verwehrt.

 

Durstig treten wir also den Rückweg an. An einer Kreuzung halten wir uns rechts, statt geradeaus zu gehen und kommen nach 5-10 Minuten an eine verlassene Bucht. Romantisch? Wie bei Lost? Denkste! Überall liegt Müll, der angeschwemmt und nicht weggerräumt wurde. Wieder einmal wird uns bewusst, wie verdreckt die Meere tatsächlich sein müssen! Es ist eine Tatsache, über die jeder Bescheid weiß, aber das Ausmaß erst begreift, wenn man solche Bilder gesehen hat.

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Doch auch jede Menge Muscheln liegen hier. Große und kleine. Weiße und bunte. Und wunderschöne angeschwemmte Korallen. Ich sammle so viel ich tragen kann und freue mich als ich in dem Müll einen Plastikkorb entdecke, der es mir ermöglicht noch mehr mitzunehmen.
Dann geht es noch etwa 45 Minuten zurück in unsere Bucht.
 Der Leuchtturm war etwas enttäuschend, bei diesem kleinen Ausflug war definitiv der Weg das Ziel.

In der Bucht springen wir ins Wasser, planschen wie kleine Kinder. Wir entdecken, dass die millionen kleinen Löcher im Sand von winzig kleinen Krebsen stammen, die schnell in ihre Höhlen zurückhuschen, wenn wir uns nähern. Kleine Krebse, kleine Löcher. Wie groß müssen denn bitte die Krebse sein, die für die riesigen Löcher verantwortlich sind?? – Die bekommen wir natürlich nicht zu Gesicht.

Abends ein leckeres Chicken Amok für $3,50 und dann ab ins Bett. Es war ein langer Tag!

Und trotzdem werde ich mitten in der Nacht wach. Ich muss mal dringend auf das Örtchen. Das Örtchen mitten im dunklen Wald… Das Örtchen ohne fließend Wasser, das aus einem vom Bambus und Bast gesäumten Loch im Boden besteht. Gruselig genug… und dann gießt es auch noch in Strömen! Schnell mache ich die Augen zu und zwinge mich wieder einzuschlafen.Nur, um einige Stunden später wieder wach zu werden. Es ist immer noch dunkel, aber es regnet nicht mehr. Also nutze ich die Gunst der nächtlichen Stunde, in der alle noch schlafen… und buddel mir ein Loch. 😀

Nichts und niemand bringt mich dazu mitten in der Nacht alleine in den Urwald zu gehen. Nope. Never.

Ausschlafen. Frühstücken im Orchid Resort: Das Canadian Breakfast kommt mit zwei Pfannkuchen und Syrup, zwei Spiegeleiern und Speck; das English Breakfast fährt mit zwei Spiegeleiern, Würstchen, Bohnen, Baguette und Butter auf. Den Kaffee gibt es gratis dazu. Insgesamt zahlen wir $13,50. Das ist etwas mehr als im Sweet Dreams, aber maaan, die Pfannkuchen schmecken auch einfach lecker!!
Dann frage ich nach einem Boot, das uns in die M’pay Bay bringt zum Schnorcheln. Im Orchid sagt man mir, für $5 kämen wir hin und dass das nächste Boot um 15:30 Uhr ablegt. Zurück müssten wir aber ein Private Boat nehmen. So spät? Da muss es doch Alternativen geben!

Ich hake nebenan in Tom’s Diving Center nach. Er ist ein ziemlich cooler Typ und sagt er könne uns für $5 hin und zurück bringen, da er sowieso mit einer Gruppe schnorcheln fährt. Allerdings möchte er in 15 Minuten los und wir haben keine Badesachen. Wir eilen zurück zum Zelt, ziehen uns um und sprinten dann wieder zum Steg. Geschafft! Spontan beschließen wir, uns Tom’s Schnorchlern anzuschließen, da er bestimmt die besten Spots kennt und zahlen pro Person $25.
Als erstes halten wir an der M’pay Bay. Tom muss einem Tauchernewbie die Taucherlunge erklären und gibt uns eine halbe Stunde Zeit, um die Bucht zu erkunden. Hier spielt sich etwas mehr auf dem Wasser ab als bei uns. Es gibt einige Guest Houses und viele Specials, wie Happy Hours usw.

Dann geht es aufs zurück auf das Boot und wir fahren zu der kleinen vorgelagerten Insel. Vor dem Mittagessen bekommen wir allerhand Fische zu sehen. Nach der kleinen Pause schwimmen wir ein Stück um die Insel herum und entdecken Korallenriffe. Alles scheint zum Greifen nah – und manchmal ist es das auch. Was beängstigend ist, da die Korallen messerscharf und voller Bakterien sind, sodass Wunden nur schwer verheilen. Auch auf die Unmengen von Seeigeln müssen wir achten. Ihre Augen leuchten blau und ich mache mich ganz schlank und bewege kaum noch die Füße, aus Angst sie zu berühren. Ich könnte die Unterwasserwelt stundenlang erkunden und steige nach etwa 3 Stunden (davon 2 Stunden schnorcheln) nur sehr widerwillig zurück ins Boot. Wir lassen den Abend ruhig an unserem Strandabschnitt in der Saracen Bay ausklingen.

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Nach einigen Tagen Seele-baumeln-lassen in unserer Bucht (Bilder links), zieht es uns an unserem letzten Tag auf Koh Rong Samloem an den Lazy Beach auf der anderen Seite der Insel. Es ist ein Fußmarsch von nur knappen 20 Minuten und er führt über eine abenteuerliche Brücke, die aus zusammengenagelten Brettern besteht, von denen einige Morsch oder lose sind. Der Lazy Beach ist ganz nett, aber nicht so schön wie die Saracen Bay. Die Bucht ist kleiner, der Sandstreifen etwas schmaler. Dennoch haben wir eine gute Zeit. Bevor es dunkel wird kehren wir zurück und gönnen uns einen mitternächtlichen Swim im Leuchtplankton. Alles um uns herum leuchtet – Tristan ist begeistert und freut sich wie ein kleines Kind. Definitiv ein magischer Anblick! – Aber mich schaudert, was mitten in der Nacht wohl so um mich herum fleucht im offenen Meer und bleibe nur einige Minuten im gar nicht tiefen Wasser. Ja, ich bin ein Angsthase. 😉

Wir wollten ursprünglich einige Tage auf der Hauptinsel Koh Rong verbingen und haben in der Tat einen Abstecher dorthin gemacht… Nur um fürchterlich enttäuscht zu werden. Als wir ankamen, waren wir zunächst nur entsetzt wegen des Mülls und der vielen Menschen. Es erinnerte mich an Tortuga aus Fluch der Karibik – eine absolute Party-Insel: schön für diejenigen, die es mögen. Uns war es zu viel Trubel. Als wir dann auch noch über eine Bank klettern mussten, die als Brücke über einen Fikalienfluss im Strand diente, der wiederum direkt ins Meer geleitet wurde, war uns klar, wo der penetrante Gestank herrührte. Wir waren eine knappe Stunde auf der Insel und nahmen uns dann ein Private Boat zurück nach Koh Rong Samloem – mit 3 anderen, die ebenfalls schnellstmöglich von der Insel flüchten wollten (insg. $40 für das Boot, je mehr Leute mitfahren, desto günstiger wird es).

Tja… wer einmal im Paradies war…

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