Kratie, der Mekong und die Irrawaddys

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Schweren Herzens checken wir morgens aus der kleinen Bungalow-Anlage „Phanyro Motel“ aus, stets in dem Wissen, dass uns einige hektische Tage bevorstehen. Heute nehmen wir zunächst den Bus nach Kratie, das direkt an dem riesigen Fluss Mekong liegt. Mit uns unterwegs sind die Belgier, die auch in unserer Bungalow-Anlage gehaust haben und die nette Engländerin, mit der wir den kompletten Vortag verbacht haben. Also soll es wohl eine unterhaltsame Fahrt werden – denn zur Abwechslung versteht uns mal einer.

Wir planen, nur einen Tag in Kratie zu verbringen und dann über die Hauptstadt Phnom Peng weiterzureisen nach Kampot, das an der Küste ganz im Süden Kambodscha’s liegt.

Die 5-stündige Busfahrt kostet uns $7 pro Person. In Kratie werden wir von einem Bekannten Mr. Mout’s empfangen und zu dem Silver Dolphin Guest House an der Riverside gebracht. Der Besitzer dieses Hotels ist gut mit Mr. Mout befreundet und gibt uns ein besonders großes Zimmer auf dem Dach: Zimmer 401 für $8 die Nacht. Wir freuen uns riesig über die Rooftop Bar, die wir später noch testen werden.
Aber jetzt geht es zunächst zu den Irrawaddy-Delphinen im Mekong. Das wohl langsamste TukTuk der Welt fährt uns 16km nördlich bis zum Ableger. Dort zahlen wir $7 pro Person für das Boot, da wir zwei Mädchen antreffen, die sich das Spektakel ebenfalls anschauen möchten. $7 also pro Person bei einer Personenanzahl von 4 oder mehr; $9 pro Person bei einer Personenanzahl von 2. Gott sei Dank sind wir nicht allein. Das ganze erweist sich sowieso als überteuert. Wir können zwar ab und an einige Delphine ausmachen, aber sie sind sehr weit weg und ziehen es vor im Dunkel des Wassers zu bleiben. „It’s too hot for them to come up“, sagt der Kapitän. Ich bin etwas verärgert. Natürlich hätte ich mir denken können, dass man die Delphine nur früh morgens oder spät abends zu sehen bekommt, da es ihnen tagsüber schlicht zu heiß ist. Aber weshalb werden die Touren dann den ganzen Tag über für den vollen Preis angeboten?! Man hätte uns doch vorher Bescheid geben können, dass wir einen schlechten Zeitpunkt gewählt haben. Der Mekong ist natürlich trotzdem schön, wir genießen die kühle Brise im Fahrtwind und genießen die Sonne. Schade eigentlich, dass er nach dem Bau der Straße von Phnom Peng nach Laos 2003 als Lebensader und Transportweg so stark an Bedeutung verloren hat. Heute besteht so gut wie keine Möglichkeit mehr, den Mekong entlangzufahren. Höchstens mit Privatbooten zu völlig abwegigen Preisen.

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Nach 20 Minuten wird uns das Ganze zu langweilig und wir bitten den Kapitän uns an einer der vielen kleinen Inseln mitten im Mekong ins Wasser zu lassen. $5 extra… Alles klar, keine Delphine – kein Schwimmen. Als ich den Kapitän frage, wie viele Delphine denn in Kratie leben, sagt er mir, es seien etwa 30-40. Ob man das denn genau sagen könnte? Sicherlich würden sie sich mal etwas weiter flussauf- oder -abwärts tümmeln… Nein, sagt mir der Kapitän: Weiter nördlich und südlich hätten Fischer ihre Netze ausgeworfen. Die Delphine seien also in diesem Flussabschnitt gefangen. Ab und an würde einer sich in den Netzen verfangen – dies sei dann in der Regel tödlich. Ich bin schockiert und möchte eigentlich nur noch so schnell wie möglich zurück an Land. Wie können die Menschen denn nur mit sich leben? Profit aus einer solchen Leidensgeschichte zu schlagen! Der Kapitän bringt uns zurück und im TukTuk geht es wieder in die Stadt.

Zumindest die Fahrt ist ihren Preis wert. Wir sehen viele Häuser von Einheimischen, einige Hochzeiten auf dem Weg… Frauen, die an kleinen Ständen am Straßenrand sitzen und Obst oder Getränke verkaufen. Fleißige Männer, die an ihren Häusern bauen; faule Männer, die in ihren Hängematten entspannen… Die Kinder laufen neben uns her und winken.

Am Abend sitzen wir dann in unserer Rooftop Bar, spielen Uno und schauen zu, wie die untergehende Sonne das Wasser und die dreistöckigen Häuser aus der französischen Kolonialzeit in wunderschönes Licht taucht.

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Wir nutzen ein tolles Angebot: 2 Bier, 2 Cocktails + 1 Essen für insgesamt $7. Im Laufe des Abends werden es dann noch einige Biere und Cocktails mehr, wir unterhalten uns mit anderen Backpackern und teilen unsere Eindrücke. Die anderen erzählen uns von Sandbänken im Mekong, die sich wunderbar zum Schwimmen eignen und von der paradiesischen Insel Koh Trong, die über eine Fähre erreichbar ist (1000 Riel, Fahrräder kosten extra). Dort gibt es einen 9km langen Rundweg, der entlang Reisfarmen, Kuhweiden und Pagoden, unter Obstbäumen hindurch, verläuft und angeblich eine schöne Radstrecke bildet.

Scheinbar haben wir uns mit den Delphinen für das falsche Ausflugsziel entschieden. Schade, da wir morgen schon weiterreisen und weder die Sandbänke noch Koh Trong jemals sehen werden.

Am nächsten Morgen packen wir schnell zusammen, schnappen unsere Rucksäcke und steigen die Treppe hinab. Und dann passiert es!! – Ich knicke um. Mein gesamtes Gewicht, sowie das des vollen Rucksacks, lastet auf dem Knöchel und ich falle mehr die letzten Stufen hinab, als das ich sie gehe. Schmerzen. Schlimme, schlimme Schmerzen! Mir schießen die Tränen in die Augen und ich sage immer wieder nur, dass es weh tut – so so weh tut. Tristan steht da und weiß erst gar nicht, was er machen soll. Dann rennt er los und holt Eis. Bis er wieder da ist, ist mein Knöchel schon geschwollen…

Kratie, der Stopp auf unserer Reise, an den ich mich am wenigsten zurückerinnern möchte. Die 24 Stunden standen einfach unter einem miesen Stern.
Gott sei Dank sollte sich das Blatt in Kampot, unserem nächsten Ziel, wenden!

Also, bleibt am Ball – eure Lisa 🙂

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