Sen Monorom – Mondulkiri Province

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Frisches Obst am Straßenrand in Sen Monorom. Unbedingt probieren: Banana Chips!

Gleich an unserem ersten Abend in Mondulkiri bitten wir Mr. Mout zu uns ins Phanyro Motel. Mr. Mout ist der Besitzer der Happy Elephant Bungalows und plant mit uns unsere leider knapp bemessene Zeit in Sen Monorom. Nachdem ich Mr. Mout über die Verfassung und Behandlung der Tiere ausgefragt habe, entscheiden wir uns für einen entspannten Elefantenausritt am Folgetag. Den Tag darauf wollen wir nicht verplanen, sondern ausschlafen und ein wenig auf Entdeckertour gehen und der letzte Tag in Sen Monorom soll der spannendste von allen werden – aber da spanne ich euch noch ein wenig auf die Folter.

Tag 1 also: Wir werden pünktlich um 08:15 abgeholt – von Mr. Mout persönlich. Damit haben wir so gar nicht gerechnet. Ich habe gerade genug Zeit meine Frühstücksorange zu essen und schon geht es los… In Mr. Mouts privatem Auto in ein kleines Dorf einige Kilometer außerhalb.

Dort angekommen, lernen wir die 20-jährige Elefantendame Ninja kennen. Wir füttern sie mit Bananen und gewöhnen uns aneinander. Sie ist eine sehr Süße und scheint sich bei ihren Menschen im Dorf wohlzufühlen. Tristan darf auf ihrem Nacken platznehmen, ich muss vorerst in einen Korb auf ihrem Rücken. Gemütlich setzt sie sich in Bewegung – den Berg hinauf, den Bergrücken entlang bis in den Urwald… DSC01442Wir sehen einige abgerodete Flecken. Ein Bild der Traurigkeit. Aber dann tauchen wir ein in den Dschungel und sehen einen steil abfallenden Pfad vor uns und nichts als Grün um uns herum. Ninja bleibt oft stehen, um sich Zweige abzureißen, mit denen sie die Fliegen und Moskitos vertreiben kann DSC01451– oder eben zum Fressen. Für uns ist das gar kein Problem. Und unser khmer Begleiter, der hinter Ninja hertrottet, ist auch nicht in Eile. Ab und an, wenn sie partout nicht weitergehen möchte, schlägt er mit einem Stock auf den Boden oder gegen Baumstämme. Niemals schlägt er sie! Gut für ihn, sonst hätte er den Stock selbst zu spüren gekriegt! 😉 Gelegentlich versucht er sie zu schieben, was unglaublich witzig aussieht aus der Höhe, denn Ninja lässt sich von ihm gar nicht weiter beirren.
Nach etwa 30 Minuten muss Tristan abspringen. Abspringen, weil ihm unglaublich schlecht und Ninja noch eine junge Elefantendame ist, die noch nicht gelernt hat, sich hinzuknien, um uns ungelenken Touris den Abstieg zu erleichtern.

DSC01463Mich juckts nicht, ich fühl mich pudelwohl!

Aber weit zu Fuß gehen muss Tristan nicht. Bald sind wir an unserem Ziel angekommen: dem kleinen Laeng Truk Wasserfall – oder eher mehreren Wasserbecken – mit Holzhütten am Ufer. Hier verbringen wir einige Stunden und essen unser Lunchpaket, die Reste geben wir einem kleinen, abgemagerten Streuner, bei dem man jede Rippe einzeln zählen kann. Dankbar frisst er jeden Krümel unseres vegetarischen Reisgerichts.

DSC01486Wir legen uns einige Minuten auf die faule Haut und gehen dann planschen. An manchen Stellen ist das Wasser sogar richtig tief.
Vom fallenden Wasser lassen wir uns eine Weile massieren und genießen die Sonne, nur um uns anschließend wieder ein wenig auszuruhen.
Zuerst fällt mir das mächtig schwer… Mit all den DSC01489riesigen Monster-Ameisen, die hier so herumkrabbeln. Aber natürlich gewöhne ich mich irgendwann daran. Die Sonne, das Essen, die Eindrücke, das Geplätscher, das Harry-Potter-Hörbuch – all das hilft ungemein und irgendwann bin ich tiefenentspannt.

Bis sie dann endlich kommen – die Elefanten! Unsere kleine Ninja und zwei weitere, wesentlich größere Exemplare, die zu einer kleinen Gruppe Wandernder gehören. Und zu unserer großen Überraschung laufen sie direkt zum Wasser. Wie sie sich auf den Steinen im seichten Wasser bewegen, geben sie eine viel bessere Figur ab als ich noch vor einigen Minuten – und das bei einer guten Tonne Körperfülle!

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DSC01502Schnell hüpfen wir hinterher und beginnen die Elefanten zu waschen. Ninja sprüht uns gelegentlich mit dem Rüssel nass und wir müssen lachen. Bis plötzlich ein gigantischer Grasballen an uns vorbeischwimmt… Elefantenhäufchen…
Unter dem Vorwand Bilder knipsen zu wollen, flüchte ich aus dem Wasser. Beim fotografieren erschrecke ich mich dann zu Tode. Etwas krabbelt in meiner Badehose!!! Es ist ein kleiner Käfer. Einer dieser Käfer, die auf den Steinen mitten im Wasser sitzen und sich sonnen und sich niemals auch nur einen Zentimeter bewegen… Hätte wirklich schlimmer kommen können. Der arme ist zumindest bestimmt viel traumatisierter als ich!

Wir geben den Elefanten noch ein wenig mehr Zeit sich vollzufuttern – die Auswahl und Menge an Nahrung hier im Dschungel ist gigantisch und Ninja fühlt sich vermutlich wie im Schlaraffenland – und dann geht es auch wieder zurück. Tristan entscheidet sich direkt dafür mit den Füßen auf dem Boden zu bleiben, also setze ich mich auf Ninjas Nacken und los gehts. Gemächlich den kleinen Pfad zurück den Berg hinauf. Mittlerweile sind wohl doppelt so viele Moskitos unterwegs, wie noch zuvor. Sie sind überall! Sie fliegen mir in die Augen, in die Nase… Den Mund halte ich sowieso geschlossen. Im Korb hatte ich nichts davon mitbekommen, aber jetzt kann ich Tristan die Übelkeit nachempfinden. Ich fühle mich wie seekrank – und vermutlich bin ich das auch bei dem Geschaukel… Es hilft alles nichts. Auch ich muss springen. Von hier oben sieht der Weg zum Boden unglaublich weit aus!! Als ich aufkomme, mache ich einen Ausfallschritt zurück gegen Ninjas Bein und sie schaut mich nur schräg von der Seite an als wolle sie sagen „Keine Sorge, ich hab dich!“

Es ist ein schöner Spaziergang zurück ins Dorf. Als wir hier ankommen ruft ein hier lebender Mann Mr. Mout an, um ihm zu sagen, dass er uns bald abholen kann.
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Ich finde einige schlafende Baby-Schweinchen und bin hin und weg. Dann kommt ihre Mutti zu mir und ich tätschle sie, um ihr zu zeigen, dass ich ihren Babys nichts Böses will. Sie legt sich vor meine Füße und lässt sich kraulen. Höre ich nur einen kurzen Moment auf, grunzt sie, um mich daran zu erinnern, dass ich ja nicht zum Spaß hier bin.
Tristan hilft dem Hausherren derweil einen Tisch zu restaurieren und beschäftigt sich mit den Kindern, die eine kurze Auszeit von der Arbeit nehmen. Denn hier müssen für gewöhnlich alle mit anpacken.

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Die Frauen haben gerade ihre Arbeiten an Tonkrügen beendet und diese zum Aushärten in die Sonne gelegt.

Nach einer halben Stunde erscheint Mr. Mout und bringt uns zurück nach Sen Monorom. Wir danken ihm für die gute Ausflugs-Empfehlung und zahlen $35 pro Person.
Abschließend gehen wir noch etwas essen und fallen dann erschöpft in unsere Betten.

Tag 2: Ausschlafen! Oh ja!! Das tut so gut!
Nachdem wir irgendwann am Vormittag aus den Betten schlüpfen – die Sonne steht schon hoch am Himmel – suchen wir das Café Phka auf, denn hier soll man laut belgischen Nachbarn sehr gut frühstücken können. Wir finden das Café unweit unseres Bungalows an einem kleinen Bach. Wir sind die einzigen Gäste – die einheimischen Khmer sind vermutlich schon seit Stunden auf den Beinen und haben bereits das Mittagessen hinter sich gebracht. DSC_0570Wir jedoch machen es uns in den Stühlen auf der Veranda gemütlich, schlürfen das Wasser aus einer ganzen Kokosnuss und schwarzen Tee. Bald machen wir uns über Pfannkuchen, Obst und English Breakfast her. Endlich mal etwas anderes als Reis!

Und danach wird es richtig abenteuerlich. Wir leihen uns in unserem Motel einen kleinen Roller, besorgen uns eine Karte von der Umgebung im Green House und machen uns auf zu den 37km entfernten Bou Sra Wasserfällen. 1,5 Stunden schätzt der Herr im Green House, da wir über unbefestigte Straßen fahren müssen. Bis zur Gabelung, dort rechts halten und auf der asphaltierten Straße weiterfahren bis man irgendwann ankommt.
Ich weiß nicht, welche der Straßen ich vorziehe. Der Dreck der roten Sandstraße beißt sich in jede Faser unserer Kleidung, ständig müssen wir niesen, aber eigentlich kommen wir gut voran. Auf der asphaltierten Straße sind wir den Staub dann zwar los, aber die „gute“ Straße ist voller Schlaglöcher. Ein Lob an Tristan! Er fährt so gut, dass wir unser Ziel bereits nach einer Stunde erreichen und zwar ohne böse Zwischenfälle.

1000 Riel Eintritt für uns und den Roller. Tristan gibt den Wachmännern einige Riel extra und bittet sie auf den Roller und die Helme zu achten. Und das tun sie auch.
Und dann staunen wir nicht schlecht!

DSC_0576DSC_0579Wasserfälle, 15 und 30 Meter hoch. Bei dem höheren kann man sich bis vor an die Kante wagen. Keine Absperrungen, keine Sicherungen. Angsteinflößend nah stehe ich am Abgrund um die schöne Aussicht zu genießen und fühle mich wie Tarzan -oder wohl eher Jane – höchstpersönlich. Angsteinflößend ist die Höhe, die Aussicht jedoch verspricht grenzenlose Freiheit!
Den kleineren der beiden Wasserfälle kann man auch von hinten bestaunen. Über die nassen, moodbewachsenen Steine klettern wir bis hinter die fallenden Wassermassen. Es ist schwierig sich hier fortzubewegen, mehrere Male rutsche ich aus. Aber keine Sorge! Jemand mit einem Fünkchen Balance sollte keine Schwierigkeiten haben – ich bin eben einfach ein ungelenkes Trampeltier. 😉
Tristan duscht sich unter dem Wasserfall, ich gehe eine Runde baden. Mein T-Shirt behalte ich aus Höflichkeit und Respekt an, denn auch Mönche genießen hier das Tosen des Wassers.DSC_0582

Bevor es zu spät wird, brechen wir auf und legen auf dem Rückweg einen Zwischenstopp auf dem Doh Kromom ein, einem Berg mit kleiner Pagode etwa 5km von Sen Monorom entfernt. Ich bin schockiert von den hier herrschenden Umständen. Auf dem Berggipfel selbst sind Essen, Trinken, Glücksspiel, etc. verboten. Es gibt keine Mülltonnen, der Berg ist sauber. Die Berghänge jedoch ähneln Müllhalden! Scheinbar werfen die Khmer ihren Abfall einfach über die Böschung – hauptsache die Pagode selbst bleibt sauber.

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Wir schauen uns den Sonnenuntergang an und fahren über den alten Flugplatz (auf dem nun Gras wuchert) zurück in die Stadt.

Tristan geht es leider nicht so gut. Er hat wohl Eiswürfel in einem Getränk erwischt, die aus Leitungswasser statt Trinkwasser gemacht wurden – in Restaurants muss man sich bzgl. des Eises keine Gedanken machen. Restaurants verwenden ausschließlich Trinkwasser für Eiswürfel! Er jedoch hatte sich vor einigen Abenden einen Fruchtshake am Straßenrand gekauft und sich seither mit schlimmen Magenproblemen herumärgern müssen. Also halten wir bei einem Arzt und kaufen Medikamente – nicht in Packungen, sondern abgezählt in kleinen Plastiktütchen, die uns über den Verkaufstresen gereicht werden. Unglaublich, was? Aber der Arzt spricht gutes Englisch, fragt nach Symptomen und scheint sehr sicher bei dem, was er tut. Was bleibt uns anderes übrig als ihm zu vertrauen? Er gibt Tristan ein Pulver, das zwei mal täglich in Wasser gelöst getrunken werden soll, Pillen, die 3x täglich eingenommen werden sollen und zwei grell-pinke Tabletten, die er nehmen soll, falls Schmerzen auftreten.
Nach der ersten Dosis fühlt er sich gleich besser. Nach 3 Tagen ist alles wieder in Ordnung, wie vom Arzt vorhergesagt! In diesem Fall haben wir wirklich Glück, denn im Laufe unserer Reise werden wir leider noch öfter Ärzte aufsuchen müssen… Eine Geschichte für sich, auf die ihr gespannt sein dürft!

Gute Nacht,
eure Lisa – xoxo

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