Headed East – mit dem Minivan durchs halbe Land

Der Wecker klingelt früh. Wir rollen uns aus den Betten und fühlen uns immer noch vollgefuttert vom leckeren Dinner am Vorabend. Wir hatten uns dafür entschieden, mal fernab von der touristischen Pubstreet zu essen und ein vielversprechendes Restaurant im Wat Bo Viertel gefunden, nur zwei Straßen von unserem Hotel entfernt. Wie großartig der Abend werden sollte, hätten wir jedoch nicht ahnen können. Im „Khmer BBQ“ gab es genau was der Name auch verspricht, nur dass wir uns zu dem Zeitpunkt darunter leider nicht viel vorstellen konnten. Das Khmer BBQ stellte sich als ein Buffet überwiegend roher Speisen heraus, die auf einem Tischgrill zubereitet wurden. In den äußeren Ring goss der Kellner Brühe, in der wir unser Gemüse und den Fisch kochen konnten.

eine Auswahl an Fisch, Fleisch und Gemüse, für die wir uns unter Anderem entschieden haben

eine Auswahl an Fisch, Fleisch und Gemüse, für die wir uns unter Anderem entschieden haben

der Tischgrill à la Khmer

der Tischgrill à la Khmer

Das Team war sehr aufmerksam, wendete unser Fleisch, wenn wir gerade zu beschäftigt mit dem Essen waren und goss unermüdlich Brühe nach. 5 Damen standen mit riesigen Fächern bei dem stets abgedeckten Fleisch und wedelten, um die Fliegen zu verscheuchen, gegen die man ansonsten leider machtlos ist. Wir bedienten uns am Buffet so oft und so viel wir eben mochten und probierten haufenweise Neues. Tristan war ganz begeistert von den unfrittierten Frühlingsrollen, die in rohe Teigblättchen gewickelt waren. Aus was die Füllung genau bestand wissen wir bis heute nicht…

Gleichermaßen nervös, wie begeistert stellen wir uns also der heutigen Herausforderung. Heute verlassen wir unser vorgebuchtes Hotel in Siem Reap und wagen den Sprung ins Ungewisse…
Aber zuvor gilt es noch ganz andere Probleme zu lösen: Was tun mit unseren Winterjacken, die wir unbedachter Weise nicht in Deutschland zurückgelassen hatten… Wir fragen an der Rezeption, ob die Möglichkeit besteht die Jacken während unserer Reise durch das Land zu verwahren und sie vor Abflug in Siem Reap abzuholen. „No problem“ – Kein Problem! Das Datum wird notiert und die Jacken in Tüten gepackt. Ob wir die Jacken jemals wieder sehen, frage ich mich schweren Herzens als wir das Home Sweet Home verlassen… (unberechtigter Weise! Meine Jacke hängt nach diesem Urlaub wieder an ihrem Plätzchen im Schrank.)

Der Minivan fährt vor. Offiziell gibt es keinen direkten Bus von Siem Reap nach Banlung. Alle offiziellen fahren über Kratie, das meiner Meinung nach viel zu weit südlich liegt und somit zu viel Zeit verloren geht. Dieser kleine Minivan jedoch fährt die Route täglich in etwa 8 Stunden. Kleines Manko – niemand in diesem Unternehmen spricht Englisch und unser Bus ist nicht klimatisiert. Das erste echte Abenteuer… Zwischen all den Einheimischen können wir nur hoffen, dort anzukommen wo wir hinwollen!
Eine Frau, die hinter mir sitzt, versucht mit mir zu sprechen. Ich erkläre ihr, wo ich hinmöchte und ich glaube, sie erwidert, dass sie in Rattanakiri lebt, aber sicher bin ich mir nicht. Sie redet und ich rede – genauso hätten wir mit uns selbst sprechen können, aber es hat doch etwas tröstliches, dass man offensichtlich gern empfangen wird und sich nicht wie ein Störenfried fühlen muss.
Wenn auch sehr verschwitzt, komme ich tatsächlich nach 8 Stunden in Banlung an. Das kleine Unternehmen empfehle ich gerne weiter. Unter folgender Telefonnummer könnt ihr euch für $17 einen Sitzplatz auf der Route Siem Reap – Banlung und vice versa reservieren: 0887044499. Aus- oder zusteigen in Stung Treng sollte kein Problem sein. Zumindest sind auf der Route immer mal wieder Menschen eingesammelt und abgesetzt worden. Und keine Sorge, einen Abend eher anrufen reicht völlig – in diesen kleinen Vans ist irgendwie doch immer noch Platz für einen mehr.
…Oder zwei oder drei! 😉

Wir steigen am Sister`s Café in Banlung aus und treffen auf einen hilfsbereiten jungen Mann, der gutes Englisch spricht und für uns in der Hill Lodge anruft um nach freien Zimmern zu fragen. Wir haben Glück. Zuerst bin ich hin und weg! Holzbungalows im Grünen – mitten im Urwald! Eine DSC_0550Hängematte auf der eigenen Veranda! Dann der erste Bummer: Strom gibt es leider nur von 18 bis 21 Uhr… Gut, damit könnten wir noch leben. Bis man uns den Preis nennt: $20 pro Nacht. $20 für eine Nacht ohne Klimaanlage oder Ventilator? Au wei… Aber wir sind kaputt von der Fahrt und wollen einfach ankommen. Also laden wir unsere Sachen ab und machen uns auf den Weg zum Yaklom-See, einem Vulkansee umgeben von Bäumen.
Laut Reiseführer ein idyllischer Ort voller Magie… Die Realität sieht anders aus: überall Touristen, wie auch Einheimische, die sich abkühlen wollen. Müll… Müll… Müll… Da der Steg quasi der einzige Zugang zum Wasser ist, weil die Bäume entlang des Sees das Ufer überwuchern, ist dieser Steg weder ein idyllischer noch magischer Ort. Wir schauen uns nur den Sonnenuntergang an und kehren zurück zur Lodge.

Nur um dort die nächste Enttäuschung zu erleben: Wir schalten das Licht ein und alles bewegt sich. ALLES. Überall krabbelt es. Kleine Spinnen, keine großen. Aber hunderte… Auch im Bad sind sie. Im Waschbecken, in der Toilette, im Bett. Ich weiß, dass ich mich daran gewöhnen werden muss. Aber hier werde ich definitiv kein Auge zubekommen.
Wir entschuldigen uns bei den Hotelinhabern und rufen ein TukTuk, um ein anderes Zimmer in der Stadt zu finden. Glücklicherweise erscheint Mr. Sophaorn in diesem Moment. Er möchte mit uns den Plan eines 3-tägigen Dschungeltreks besprechen und kann dem georderten TukTuk-Fahrer ein Guesthouse nennen, in das dieser uns gleich bringt. Hier ist es sauber, nichts krabbelt und fleucht! Ich bin selig!
Mr. Sophaorn tut mir leid, weil ich nach diesem Horrortag weiß, dass ich für den Dschungel noch nicht bereit bin. Aber er kann uns einen Bus nach Sen Monorom organisieren – über die neu ausgebaute Straße – schon gleich am nächsten Tag. Von Banlung habe ich nämlich vorerst genug gesehen…

Am nächsten Morgen sammelt uns also der nächste Minivan ein. Dieser ist klimatisiert und gut die Hälfte der Strecke verläuft reibungslos. Das Unterhaltsamste auf dieser Fahrt ist eindeutig der betrunkene Khmer, der shirtless einsteigt und mittig im Van platziert wird. Alle paar Minuten dreht er sich erschrocken um und schreit „DOI!“, was auch immer das heißen mag. Nach nur 15 Minuten Fahrt wird er bereits wieder abgesetzt. Ob er wirklich angekommen ist oder die Fahrer Angst haben, ihm könne ein Malheur passieren… Wer weiß das schon. 🙂

Kleine Pause - während der Fahrer den Motor mit kaltem Wasser kühlt, können wir einen Happen essen und uns ein wenig die Beine vertreten

Kleine Pause – während der Fahrer den Motor mit kaltem Wasser kühlt, können wir einen Happen essen und uns ein wenig die Beine vertreten

Dann hört die Straße einfach auf und es geht auf roten Schotter- und Sandwegen weiter… Der Weg ist zwar schon geebnet, die Straße aber noch gar nicht fertig gebaut. Das stört aber niemanden. Rasant jagen wir einem Truck hinterher. Der aufgewirbelte Dreck verdeckt jegliche Sicht und ich hoffe inständig, dass nicht plötzlich ein kleiner Motorroller aus dem Nichts auftaucht und an der Windschutzscheibe endet.
Nichts dergleichen passiert.

Wohlbehalten kommen wir in Sen Monorom an und wie versprochen wartet ein Freund Mr. Sophaorns auf uns, um uns zu empfangen.
Mr. Mout ist der Besitzer der Happy Elephant Bungalows in Sen Monorom und unser Ansprechpartner Nr. 1. Er sagt uns ehrlich, dass sein Nachbar gerne schon früh laute Musik spielt und bietet an, uns in die Bungalow-Anlage von einheimischen Bekannten zu bringen, die ruhiger – aber genauso zentral – gelegen ist. Per Motodup, also als Sozius auf dem Rollerchen (samt Gepäck!) fahren wir also zum Phanyro Motel, das schöne, saubere Bungalows mit Ventilator und Fernsehen bietet. Selbst warmes Wasser gibt es, ein besonderes Extra, das man in Kambodscha recht selten findet. $8 die Nacht sind absolut gerechtfertigt, finden wir, und bleiben ganze 4 Nächte.DSC_0566

Trotz der Blamage in Banlung, der aussetzenden Klimaanlagen und unfertigen Straßen, bin ich begeistert davon, wie leicht man mit dem Bus von A nach B kommt.

Zur Info:
Siem Reap – Banlung                              $17
Banlung – Sen Monorom                       $10
Sen Monorom – Kratie                             $7
Kratie – Phnom Peng – Kampot            $15
Kampot – Kep – Koh Tonsai                   $10 für das TukTuk bis Kep, $7 für die Fähre
Kampot – Sihanoukville                          $5
Sihanoukville – Koh Rong Samloem  $20 für das Speedboat (inkl. Rückfahrt)
Koh Rong – Koh Rong Samloem         $40 mit dem Privatboot ($40, egal wie viele Personen an Bord sind. Wir waren zu 5. und haben je $8 bezahlt)
Sihanoukville – Koh Kong (City)           $12

Unsere helfende Elfe, Mr. Sophaorn, erreicht man unter:
+885 (0) 883368838 oder (0) 81602738, im Zweifelsfall im Sister’s Café nach ihm fragen. Er bietet auch Touren an und berät einen sehr, sehr gut und ausführlich und ist bemüht jedem genau das ermöglichen, was man sich erhofft, ohne einem dabei einen Bären aufzubinden. Ich war ihm sehr dankbar, dass er uns utopische Vorstellungen vorweg genommen und uns auf das vorbereitet hat, was uns erwartet hätte.

Meine generelle Erfahrung mit den Menschen weiter im Landesinnern ist durchweg positiv. Sie sind alle sehr hilfsbereit und wollen nicht reinen Profit erzielen. Es ist ihnen wichtiger, uns Touristen eine gute Zeit zu bescheren in der Hoffnung, dass wir wiederkommen oder anderen davon erzählen. In diesem Sinne setze ich einen Haken und hoffe, ihr schaut bald wieder vorbei, wenn ich euch alles über unsere Abenteuer in Mondulkiri berichte!

xoxo – Eure Lisa

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